Kinder und Jugendliche

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S
  • Autismus
  • Hörstörungen
  • Lese-Rechtschreibstörung / Legasthenie
  • Mutismus
  • Myofunktionelle Störung
  • Rechenstörung / Dyskalkulie
  • Redeflussstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs
  • Rechenstörung / Dyskalkulie

    Unter einer Dyskalkulie versteht man eine entwicklungsbedingte Rechenstörung oder –schwäche, die nicht durch eine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Sie gehört zu den sogenannten umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten und betrifft v.a. die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Die Störung hat ihren Ursprung in der Kindheit, weist einen stetigen Verlauf auf und verändert sich in Abhängigkeit von den sich wandelnden Anforderungen an das Kind. Als Ursachen werden genetische Faktoren (Veranlagung) und frühkindliche bedingte Hirnreifungsstörungen sowie schulische, soziale und emotionale Einflüsse diskutiert. Als wichtige kognitive Basisfähigkeiten  beeinflussen auch die visuell-räumliche (konstruktive) Wahrnehmung und Verarbeitung, die Sensumotorik, das Sprachverständnis sowie das Lang- und Kurzzeitgedächtnis das mathematische Lernen. In der Regel führen immer mehrere unterschiedliche Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen, zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Rechenstörung. Ca. 3 bis 8 % der Bevölkerung sind von einer Dyskalkulie betroffen, davon gleich viele Jungen wie Mädchen.

    Kindern mit einer Rechenstörung unterlaufen weitaus mehr Fehler beim Rechnen als ihren Alterskameraden. Es gibt jedoch keine typischen Rechenfehler bei Kindern mit Dyskalkulie. Nicht die Art der Fehler, sondern vielmehr die Häufigkeit, Vielfalt und das Überdauern der Fehler geben Hinweise auf das Vorliegen einer Rechenstörung. Einige häufig auftretende Fehler betreffen das fehlende Mengen- und Größenverständnis (z.B. Zahlwörtern oder Ziffern kann keine korrekte Menge zugeordnet werden, das sofortige Erfassen kleiner Mengen gelingt nicht), Zählfehler (z.B. das Abzählen gelingt nicht, Zahlen werden ausgelassen, Zählen in größeren Schritten gelingt nicht), Übersetzungsfehler (z.B. Verdrehen von Ziffern beim Zahlenschreiben), ein fehlendes Verständnis des Stellenwertsystems (z.B. beim Rechnen werden Zehner-, Hunderter- oder Tausenderübergänge nicht beachtet) sowie Rechenfehler (z.B. Verrechnen, Vertauschen von Rechenzeichen, Fehler im Umgang mit der Null). Viele Kinder halten überdurchschnittlich lang an Zählstrategien oder konkreten Hilfestellungen (z.B. Zuhilfenahme der Finger) beim Lösen von Rechenaufgaben fest. Bei einigen Kindern ist bereits im Vorschulalter zu beobachten, dass sie kein Interesse an Zahlen und am Abzählen zeigen, nur ein unzureichendes Mengen- und Zahlenverständnis entwickeln und sich nur ungern mit Würfelspielen beschäftigen. Im Grundschulalter stellen meist der Zehnerübergang und später die Erweiterung des Zahlenraums über 100 eine große Hürde dar. Das Erlernen des kleinen Einmaleins erweist sich als äußerst langwierig und fehlerbehaftet und bleibt unsicher.

    Das Vorliegen einer Rechenstörung oder –schwäche wird von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einem psychologischen Psychotherapeuten festgestellt. Dazu werden mithilfe verschiedener Testverfahren das allgemeine Leistungsniveau (Intelligenz) sowie die  spezifischen rechnerischen und basis-numerischen Leistungen festgestellt. Besteht zwischen Intelligenz und Rechenfähigkeiten eine überdurchschnittlich große Diskrepanz, so kann eine Rechenstörung diagnostiziert werden.

    Im Rahmen der wirtschaftlichen Jugendhilfe (Eingliederungshilfe) können Sie beim zuständigen Jugendamt Fördermaßnahmen beantragen, die bei uns durchgeführt und mit dem Jugendamt abgerechnet werden können. Anhand des spezifischen Störungsprofils des Kindes erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan. Wir erarbeiten notwendige Basiskompetenzen (z.B. Bilden von Klassifikationen, Mengenbestimmung und –vergleiche, das Erkennen von Dimensionsunterschieden), den sogenannten semantischen Gehalt von Zahlen (z.B. Mengen-Zahl-Zuordnung), das Rechnen innerhalb verschiedener Zahlenräume einschließlich der Übergänge sowie das Einmaleins. Auch die Bearbeitung von Sachaufgaben kann Teil der Behandlung sein. Um dem Kind die Lerninhalte zu vermitteln verwenden wir verschiedene ausgewählte Therapiemethoden und –materialien.

    Häufig wird eine Rechenstörung auch von anderen Entwicklungsstörungen wie z.B. einer Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) oder Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) begleitet. Diese können wir ebenfalls behandeln. Dabei legen wir auf der Grundlage des kinder- und jugendpsychiatrischen Gutachtens sowie in Absprache mit Ihnen den jeweiligen Behandlungsschwerpunkt fest.

    Nähere Informationen dazu finden Sie auch im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de/ oder im Ratgeber „Dyskalkulie“ von S. Pixner des Schulz-Kirchner-Verlages.