Unsere Ratgeber

  • 14 Tipps zur Sprachförderung
  • Material und Spiele zur Sprachförderung
  • Ratgeber AVWS für Eltern und Lehrer
  • Richtiger Umgang mit Aphasie und Dysarthrie
  • Richtiger Umgang mit Legasthenie/LRS
  • Richtiger Umgang mit Stottern
  • Sprachförderung bei Hörgeschädigten
  • Sprachförderung bei Mehrsprachigkeit
  • Stimmhygiene für Erwachsene
  • Stimmhygiene für Kinder
  • Tipps: Bücher für Eltern, Betroffene und Angehörige
  • Tipps: Bücher für Lehrer und Erzieher
  • Tipps: Ratgeberreihe vom Schulz-Kirchner Verlag
  • Im Gespräch bleiben!

    Betroffene mit einer Sprach- (Aphasie) oder Sprechstörung (Dysarthrie, Sprechapraxie) nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder in Folge anderer neurologischer Erkrankungen sind mehr als andere auf kooperative Kommunikationspartner angewiesen. Denn sie können sich aufgrund eingeschränkter Ausdrucksmöglichkeiten nicht mehr so mitteilen und Gesagtes verstehen wie vor der Erkrankung. Aber auch die sprachgesunden Gesprächspartner sind von der Sprach- bzw. Sprechstörung betroffen. Denn auch sie erleben, dass sie mit dem Betroffenen nicht mehr so selbstverständlich kommunizieren können wie früher. Missverständnisse und Frustration belasten die Kommunikation und führen im schlimmsten Fall zu Rückzug und Schweigen auf beiden Seiten.

    Das Beachten einiger grundlegender Verhaltesweisen bzw. “Gesprächsregeln” erleichtert jedoch das Kommunizieren für wie auch mit den Betroffenen. Dadurch wird die Kommunikation im Alltag einfacher und erfolgreicher. Die meisten der folgenden Ratschläge sind simpel, haben jedoch oft eine sehr positive Auswirkung auf die Unterhaltung. Probieren Sie die Vorschläge aus und setzen Sie die Tipps aktiv ein, die Ihnen die Verständigung erleichtern. Schaffen Sie sich auch “Verbündete” und geben Sie diese Hinweise an Verwandte und Freunde oder auch an das Pflegepersonal weiter, so dass auch deren Verhalten die Gespräche mit und für den Betroffenen günstig beeinflusst.

    Kommunikationsregeln für Angehörige

    Pflegen Sie einen normalen und respektvollen Umgang mit dem Betroffenen! Aufgrund der reduzierten Ausdrucksmöglichkeiten des Betroffenen wird er in vielen Alltagsituationen – ob im Krankenhaus, in der Pflege oder in der Familie – häufig als unmündig, wie ein kleines Kind oder gar als geistig behindert behandelt. Es wird über seinen Kopf hinweg gehandelt, entschieden und gesprochen. Menschen mit Sprech- und Sprachstörungen besitzen jedoch nach wie vor ihre Lebenserfahrung und ihr Weltwissen, haben Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse, gerade so wie vor der Erkrankung, auch wenn sie diese nicht mehr in der gewohnten Weis ausdrücken können. Behandeln Sie deshalb einen Betroffenen stets mit Respekt und beziehen ihn – wann immer es geht – in Entscheidungsfindungen des Alltags mit ein.

    Sprechen Sie mit, aber nicht für den Betroffenen! Häufig übernehmen die Angehörigen das Sprechen für den Betroffenen, von dem Wunsch getragen ihm die Kommunikation dadurch zu erleichtern. Was gut gemeint ist, bewirkt jedoch meist das Gegenteil. Sie nehmen dem Betroffenen dadurch die Möglichkeit für sich selbst zu sprechen und schließen ihn letztendlich aus dem Gespräch aus. Am Ende sprechen dann nur noch die sprachgesunden Personen miteinander und über den Betroffenen. Lassen Sie den Betroffenen daher selbst zu Wort kommen.

    Nehmen Sie sich Zeit und haben Sie Geduld! Gespräche mit einem Betroffenen nehmen immer mehr Zeit in Anspruch als vor der Erkrankung. Denn Menschen mit Sprech- oder Sprachstörung sprechen häufig nur langsam, ringen mühsam nach Worten, drücken sich falsch aus, äußern nur Fragmente und machen oft längere Sprechpausen. Gerade die Sprechpausen sind für Gesprächspartner normalerweise das Signal, dass sie selbst das Wort ergreifen dürfen. Passiert dies im Gespräch mit Betroffenen aber zu früh, so nehmen Sie diesen quasi “das Wort aus dem Mund.” Lassen Sie den Betroffenen also Zeit, ihre Äußerungen zu formulieren und unterstützen Sie sie darin so viel wie nötig aber so wenig wie möglich.

    Vermeiden Sie Störlärm! Eine ruhige Atmosphäre erleichtert die Kommunikation. Daher sollte jede Art von Hintergrundgeräusch oder Lärmquelle (z.B. Fernseher, Radio, Außengeräusche etc.) minimiert werden. Sorgen Sie in größeren Gruppen dafür, dass immer nur einer spricht. Dadurch kann der Betroffene sich besser auf die gesprochene Äußerung konzentrieren, ist weniger abgelenkt und wird selbst besser verstanden.

    Sprechen Sie in kurzen, klaren Äußerungen! Sprechen Sie mit dem Betroffenen langsam, klar und deutlich. Betonen Sie dabei wichtige Wörter und Inhalte. Machen Sie eher kurze Äußerungen und bevorzugen Sie einen einfachen Satzbau. Benuten Sie aber keine “Babysprache”! Das ist für den Angesprochenen entwürdigend. Es ist aber keine Schande, wenn man Wichtiges wiederholt. Dadurch kann der Betroffene besser verstehen, was ihm mitgeteilt werden soll. Machen Sie zwischen den einzelnen Äußerungen bewusst Pausen. Dadurch geben Sie dem Betroffenen Zeit, das Gesagte besser zu verarbeiten, zu verstehen und darauf zu reagieren.

    Halten Sie Blickkontakt während eines Gesprächs! Schauen Sie den Betroffenen an, wenn sie miteinander sprechen. So sichern Sie sich seine Aufmerksamkeit und es bietet sich Ihnen beiden die Möglichkeit das Gesagte durch Gestik und Mimik zu unterstützen. Gleichzeitig erkennen sie leichter, ob der Betroffene sie verstanden oder nicht verstanden hat und wann eine Äußerung zu Ende ist bzw. ob lediglich eine Sprechpause gemacht wird. Setzen Sie vor Gesprächsbeginn auch verbale “Hinweissignale” (z.B. “Hans, hör mal!”), wenn Sie mit dem Betroffenen sprechen möchten.

    Sichern Sie das Verständnis! Fragen Sie zwischendurch nach und versichern Sie sich, ob wesentliche Aussagen auch tatsächlich verstanden wurden. Dazu können Sie Rückfragen stellen (z.B. “Du meinst Frau Meier?”) oder sich verstandene Aussagen bestätigen lassen (z.B. “Der Termin ist morgen um 10:00 Uhr?”). Oftmals sind Fragen günstig, die der Betroffene nur mit Ja oder Nein beantworten kann. Auch wenn Sie manchmal nicht alles verstehen, was Ihre Angehörigen sagen, so können Sie doch oft durch Mitdenken und Beobachten der Situation erkennen, was gemeint ist.

    Vermeiden Sie abrupte Themenwechsel. Diese führen oft zu Verwirrung, weil der Betroffene plötzlich nicht mehr weiß, um was es eigentlich geht. Zeigen Sie einen Themenwechsel ganz direkt an (z.B. “Jetzt was anderes!”).

    Korrigieren Sie nicht! Achten Sie auf den Inhalt der Äußerung des Betroffenen, nicht auf die grammatische Form. Denn das Ziel jeder Kommunikation ist es, sich zu verstehen. Wichtig für den Betroffenen ist es, dass er sich überhaupt mitteilen kann, die Form der Äußerung sollte dabei zunächst nicht im Vordergrund stehen. Gut gemeinte Verbesserungen oder Aufforderungen zum Nachsprechen helfen nicht, sondern frustrieren eher.

    Bei manchen Betroffenen kann es bisweilen vorkommen, dass sie sich ihrer Sprech- und Sprachstörung nicht bewusst sind und nicht merken, dass ihr Gesprächspartner sie nicht versteht. In diesem Fall kann es hilfreich und notwendig sein, dem Betroffenen eine direkte Rückmeldung über seine Äußerung zu geben (z.B. “Ich habe dich gerade nicht verstanden, weil du zu schnell gesprochen hast.”)

    Kommunikationsregeln für Betroffene

    Teilen Sie sich mit! Vermeiden Sie trotz der Schwierigkeiten, die Sie beim Sprechen haben, Gespräche nicht. Informieren Sie Ihren Gesprächspartner über Ihre Sprach- und Sprechschwierigkeiten und sagen Sie ihnen, was Ihnen beim Sprechen hilft. So nehmen Sie den Gesprächspartnern evtl. Unsicherheiten.

    Kommunizieren Sie mit allen Mitteln! Falls Sie sich in einer Situation mit Sprechen allein nicht verständlich machen können, setzen Sie alle Mittel ein, die Ihnen zur Verfügung stehen, um Ihre Botschaft zu übermitteln, z.B. Mimik, Gestik, Zeigen, Schreiben, Zeichnen…

    Der Inhalt zählt! Achten Sie im Gespräch darauf, dass der gewünschte Inhalt den Gesprächspartner erreicht. Verzichten Sie bei einem Gespräch auf Wiederholungen des Gesagten zu “Übungszwecken”. Das behindert den Informationsfluss. Achten Sie aber auch bei Ihrem Gesprächspartner darauf, ob dieser Sie verstanden hat. Wiederholen Sie eine nicht verstandene Äußerung, evtl. mit anderen Worten.

    Wichtig im Alltag für Betroffene und Angehörige

    Pflegen Sie soziale Kontakte! Halten Sie weiter Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten, auch wenn der Umgang mit der neuen Situation zunächst bei allen Beteiligten Unsicherheiten hervorruft. Sprechen Sie offen über die Erkrankung und ihre Folgen und weisen Sie darauf hin, was Ihnen bei gemeinsamen Gesprächen hilft. So vermeiden Sie eine Isolation und können sich gleichzeitig Unterstützung aus Ihrem Freundes- und Familienkreis holen.

    Nehmen Sie gemeinsame Tätigkeiten wieder auf! Gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten (z.B. Urlaub, Ausflug etc.) schaffen Nähe, Glücksmomente und Lebensfreude auch ohne Worte. Sie lenken Die Aufmerksamkeit auf das Gute und Schöne im Leben und helfen dabei, nicht in der Verzweiflung über die Erkrankung zu versinken. Finden Sie gemeinsam neue Aktivitäten und unterstützen Sie den Betroffenen darin, seine verbliebenen Fähigkeiten zu nutzen und seine Interessen zu verfolgen.

    Lassen Sie die Erkrankung nicht Ihr Leben dominieren! Sicher stellt eine schwerwiegende Erkrankung und deren Folgen zunächst Ihr gewohntes Leben komplett auf den Kopf. Versuchen Sie trotzdem, nachdem Sie sich auf die veränderte Situation eingestellt haben, die Erkrankung nicht in den Mittelpunkt Ihres Lebens zu stellen. Andere Ereignisse, Wünsche, Bedürfnisse bei Ihnen selbst aber auch im Freundes- und Familienkreis verdienen ebenso Ihre Aufmerksamkeit. Versuchen Sie, die neuen Lebensumstände zu akzeptieren und gemeinsam einen neuen Lebensweg zu finden.