Unsere Ratgeber

  • 14 Tipps zur Sprachförderung
  • Material und Spiele zur Sprachförderung
  • Ratgeber AVWS für Eltern und Lehrer
  • Richtiger Umgang mit Aphasie und Dysarthrie
  • Richtiger Umgang mit Legasthenie/LRS
  • Richtiger Umgang mit Stottern
  • Sprachförderung bei Hörgeschädigten
  • Sprachförderung bei Mehrsprachigkeit
  • Stimmhygiene für Erwachsene
  • Stimmhygiene für Kinder
  • Tipps: Bücher für Eltern, Betroffene und Angehörige
  • Tipps: Bücher für Lehrer und Erzieher
  • Tipps: Ratgeberreihe vom Schulz-Kirchner Verlag
  • Man hört nicht mit dem Ohr allein - Wie Sie Kinder mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen zuhause und im Schulalltag unterstützen können

    Ein Kind mit einer sogenannten auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen hört Töne und Geräusche z.B. bei einem Hörtest ganz normal. Sprachliche Laute aber können v.a. unter alltäglichen Störgeräuschen wie z.B. Klassenraumgeräuschen nicht exakt genug erkannt und deswegen wahrscheinlich auch nicht immer vollständig verstanden werden. Sprache wird unscharf, verzerrt oder doppeltönig wahrgenommen.

    Sprechen Sie möglichst in der Nähe des Kindes und ihm zugewandt; der optimale Abstand liegt unter einem Meter Entfernung.

    Warten Sie ab, bis das Kind bereit ist, Ihnen zuzuhören, wenn Sie es ansprechen.

    Sprechen Sie immer in ausreichender Lautstärke.

    Verlangsamen Sie Ihre Sprechgeschwindigkeit und passen Sie sich damit der Verarbeitungsgeschwindigkeit des Kindes an.

    Setzen Sie bewusst viel Satzmelodie, Rhythmus, Betonung und Dynamik beim Sprechen ein.

    Achten Sie auf eine saubere Aussprache und kurze, klare Satzstrukturen.

    Geben Sie Aufträge, Anweisungen und Aufgabenstellungen so langsam, deutlich und kurz wie möglich. Unterstützen Sie verbale Aufforderungen durch anschauliches Schrift- oder Bildmaterial.

    Verwenden Sie generell viele visuelle Hilfestellungen wie Mimik (Gesichtsausdruck), Gestik (natürliche Körpersprache) und Bildmaterial.

    Bieten Sie “Eselsbrücken” in Form von Reimen und Melodien an.

    Auch gelegentliches dosiertes deutlich artikuliertes Flüstern kann die Höraufmerksamkeit schulen.

    Sitznachbarn sollten möglichst ruhige Kinder sein.

    Bei arbeitsteiliger Gruppenarbeit sollten möglichst getrennte Räumlichkeiten aufgesucht werden.

    Schaffen Sie eine ruhige Raumatmosphäre: Vermindern Sie Störschall von draußen durch Schließen der Fenster. Vermindern Sie Störschall im Raum so gut wie möglich durch geeignete Maßnahmen.

    Schaffen Sie eine Gesprächsdisziplin: Es sollte möglichst immer nur eine Person sprechen.

    Achten Sie auf eine gute Klangqualität bei verwendeten akustischen Medien wie TV, Radio, Video. Sprache und Musik sollten nicht verzerrt, klirrend oder dumpf, sondern rein und klar verständlich klingen.

    Bewerten Sie häufiges Nachfragen oder nicht verstehen nicht von vorn herein als Konzentrationsmangel oder Unaufmerksamkeit. Ermutigen Sie hingegen das Kind nachzufragen, wenn es etwas nicht verstanden hat. Fragen Sie selbst bei wichtigen Informationen nach, ob und was das Kind verstanden hat. Stellen Sie dabei das Kind aber nicht vor der ganzen Klasse bloß.

    Für Kinder im Vorschulalter oder bei Schulbeginn empfehlen wir dringend das “Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache – Hören, Lauschen, Lernen” von Küspert / Schneider. Sollte sich das Kind bereits in logopädischer Behandlung befinden, halten Sie dazu bitte Rücksprache mit uns, da zumindest Teile dieses Programms regelmäßig Bestandteil der Therapie sind.

    Bauen Sie vermehrt Hörratespiele, Sprachlautratespiele, Reimspiele, Merkspiele, Zungenbrecher, Stimmenraten, “Mäuschen piep einmal” in den Unterricht mit ein. Sicher profitieren auch die anderen Kinder davon. Legen Sie die Spiele jedoch so (leicht) an, dass Sie auch von schwachen Kindern erfolgreich bewältigt werden können.

    Bedenken Sie beim Schreiben, dass eine (Einzel)Lautmethode und Rechtschreibregeln über Hör-Proben (Verlängere das Wort und höre!) voraussichtlich wenig erfolgreich sind. Gehen Sie dagegen eher vom orthographisch richtigen Wortbild (und Wortstamm) aus. Setzen Sie gezieltes Wortschatztraining (Wortbild) konsequent ein, um visuelle Gedächtnismuster zu bilden.

    Allgemein förderlich ist das Erlernen eines Musikinstruments nach eigener Wahl oder anderes Musizieren wie Singen.

    Manche der oben genannten Vorschläge mögen Ihnen schwer oder aufwendig umsetzbar erscheinen. Gerade das Verändern des eigenen Sprachvorbildes erfordert einige Anstrengung. Greifen Sie sich daher zunächst nur einen Punkt heraus und versuchen Sie ihn während einer kurzen Zeit dem Kind gegenüber umzusetzen. Manche der Vorschläge mögen Ihnen auch banal vorkommen. Es ist klar, dass Sie zuhause und während des Unterrichts hauptsächlich mit anderen Aufgaben beschäftigt sind und keine Sonderbehandlungen vornehmen können und wollen. Beachten Sie aber nur einige der oben aufgeführten Punkte, bedeutet dies für das Kind bereits ein erheblich besseres Hören, Verstehen und somit Folgen des Unterrichts. Vielleicht bemerken Sie sogar nach einiger Zeit eine Veränderung im Verhalten, Verstehen oder bei Lernzielkontrollen.