Unsere Ratgeber

  • 14 Tipps zur Sprachförderung
  • Material und Spiele zur Sprachförderung
  • Ratgeber AVWS für Eltern und Lehrer
  • Richtiger Umgang mit Aphasie und Dysarthrie
  • Richtiger Umgang mit Legasthenie/LRS
  • Richtiger Umgang mit Stottern
  • Sprachförderung bei Hörgeschädigten
  • Sprachförderung bei Mehrsprachigkeit
  • Stimmhygiene für Erwachsene
  • Stimmhygiene für Kinder
  • Tipps: Bücher für Eltern, Betroffene und Angehörige
  • Tipps: Bücher für Lehrer und Erzieher
  • Tipps: Ratgeberreihe vom Schulz-Kirchner Verlag
  • 14 Tipps zur Sprachförderung

    Der Spracherwerb verläuft bei den meisten Kindern quasi wie von selbst, schnell und mühelos. Doch Sprachstörungen im Kindesalter nehmen heute immer mehr zu. Experten schätzen, dass ca. 10 % eines Jahrgangs an spezifischen behandlungsbedürftigen Sprachentwicklungsstörungen leiden. Meist bemerken Sie als Eltern oder Erzieher als erste, wenn ein Kind im Vergleich zu seinen Altersgenossen weniger, undeutlicher oder falsch spricht und wollen etwas dagegen unternehmen. Abgesehen bzw. parallel zu einer etwaigen logopädischen Behandlung können Sie Ihr Kind durch ein sprachförderndes Verhalten im Alltag entscheidend beim Sprechenlernen unterstützen.

    Erwachsene verhalten sich kleinen Kindern gegenüber meist intuitiv “sprachfördernd”. Sie passen ihr Sprachniveau und ihre Sprechweise dem Sprachentwicklungsstand des Kindes an und bieten ihm automatisch sprachliche Anreize, die die Entwicklung weiter voranbringen. Manchmal ist dieses intuitive Wissen aber auch verschüttet oder verloren gegangen. Viele Eltern und Erzieher fühlen sich daher heute oft unsicher im Umgang mit sprachentwicklungsverzögerten Kindern oder wollen ihre Hilfen noch gezielter und bewusster einsetzen. Die folgenden Hinweise bieten Ihnen Anregungen, wie Sie die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes fördern und damit auch eine logopädische Behandlung unterstützen können. Bedenken Sie aber, dass bei schwerwiegenden Sprachentwicklungsstörungen sprachförderndes Verhalten allein nicht ausreicht, um den sprachlichen Rückstand aufzuholen und nehmen Sie dann professionelle Hilfe in Anspruch. Schaffen Sie sich auch “Verbündete” und geben Sie diese Hinweise an Verwandte und Freunde weiter, so dass auch deren Verhalten die Sprechfreude und Sprachentwicklung Ihres Kindes unterstützt.

    Ziehen Sie sich mit Ihrem Kind immer wieder auf Ihre gemeinsame Sprachinsel zurück. Ihr Alltag ist angefüllt mit vielfältigen Aufgaben und Verpflichtungen und auch die Bedürfnisse anderer Familienangehöriger und Ihre Bedürfnisse als Eltern haben ihre Berechtigung. Es ist daher nicht möglich, sich in jeder Situation auf das Kind einzulassen. Sie können in einen bewegten Alltag jedoch kleine Inseln einbauen, in denen die sprachfördernde Kommunikation mit Ihrem Kind im Vordergrund steht. Diese Sprachinseln können durchaus von kurzer Dauer sein. Suchen Sie sich dafür Momente aus, in denen Sie sich mit Ruhe und Gelassenheit ganz Ihrem Kind widmen und auf Ihr eigenes Sprachverhalten achten können. Greifen Sie sich zunächst aus der Vielfalt der Anregungen nur einen oder wenige Punkte heraus, die Sie im Umgang mit Ihrem Kind umsetzen möchten. Gelingt Ihnen das, können Sie weitere Anregungen aufgreifen und umsetzen.

    Folgen Sie den Interessen und der Aufmerksamkeit Ihres Kindes. Die Bedingung, Ihrem Kind Sprache anzubieten, ist dann optimal, wenn Ihre Aufmerksamkeit und die des Kindes auf denselben Sachverhalt oder Gegenstand gerichtet ist und sie sich mit derselben Sache beschäftigen. Womit sich Ihr Kind gerade beschäftigt, erkennen Sie meist gut an der Blickwendung bzw. -richtung.

    Ermahnen Sie Ihr Kind nicht zum “langsamen”, “ordentlichen” oder “schönen” Sprechen! Nehmen Sie die Sprechversuche Ihres Kindes an, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Fehler beim Sprechen sind Ausdruck eines “Nicht-Könnens”, nicht böse Absicht, Faulheit oder Mutwille. Schenken Sie der Person Ihres Kindes und nicht einer fehlerhaften Sprache vermehrte Aufmerksamkeit. Lassen Sie Ihrem Kind eine sprachliche Schwäche nicht durch Kritisieren, Korrigieren oder gar Bestrafen bewusst werden. Ständige Misserfolgserlebnisse erzeugen Sprechdruck, nehmen die Freude am Sprechen und können sogar Angst vor dem Sprechen auslösen.

    Wiederholen Sie stattdessen fehlerhafte Äußerungen Ihres Kindes in richtiger Form ohne Ihr Kind dabei zum Nachsprechen aufzufordern. Formen Sie dabei die Äußerungen des Kindes um und ergänzen Sie sie. Ein wortwörtliches Imitieren irritiert und ermüdet die Kinder gelegentlich.

    Ihr Kind spricht ein Wort falsch aus – Bieten Sie ihm die richtige Aussprache nochmals an.
    Kind: Eine Dabel, bitte !
    Reaktion: Du willst eine Gabel? Hier hast du die Gabel.

    Ihr Kind verwendet einen falschen Begriff – Bieten Sie ihm den passenden Begriff nochmals an.
    Kind: Da ist ein Pferd. (zeigt aber auf einen Esel)
    Reaktion: Ja, der Esel sieht so ähnlich aus wie ein Pferd. Schau, er hat aber ein graues Fell und macht I-A. Das ist ein Esel
    .

    Ihr Kind hat einen falschen Satzbau – Bieten Sie den Satz nochmals in der richtigen Form an.
    Kind: Schau, Pferd springen kann.
    Reaktion: Ja, das Pferd kann über den Zaun springen. Das Pferd springt aber hoch.

    Durch diese Form der so genannten verbesserten Wiederholung bestätigen Sie die Aussage Ihres Kindes und zeigen ihm Ihre Aufmerksamkeit. Dabei hört Ihr Kind immer wieder die richtige sprachliche Form und kann sich Laute, Wörter und Sätze besser einprägen. Ihr Kind kann selbst entscheiden, ob es die richtige Äußerung nochmals aufgreift und für sich wiederholt. So bekommt Ihr Kind nicht das Gefühl, ständig verbessert zu werden und behält seine Freude am Sprechen.

    Das Erlernen der Muttersprache vollzieht sich nicht wie das Vokabeln lernen einer Fremdsprache. Kinder lernen neue Wörter und grammatische Regeln nicht isoliert, sondern immer im Satz- und Sinnzusammenhang. Versuchen Sie daher, einzelne Wörter mit Sprache zu “umkreisen”. Statt nur auf eine Ente zu deuten und “Ente” zu sagen, können Sie eine kleine Geschichte daraus machen. “Guck mal, eine Ente, eine gelbe Ente. Was macht die Ente denn da? Genau, die Ente schwimmt. Was meinst du, wo schwimmt die Ente wohl hin?” Durch dieses Sprachmodell kann Ihr Kind sein Sprachverständnis erweitern und Bausteine für die eigene Sprachproduktion herausfiltern.

    Beteiligen Sie Ihr Kind an häuslichen Tätigkeiten und alltäglichen Handlungsabläufen (wie Einkaufen, Kochen und Backen, Tisch decken) und ermöglichen Sie Ihm selbständiges Handeln. Nur durch eigenes Handeln kann Ihr Kind Erfahrungen mit der Umwelt machen. Und mit dem Verständnis für die Dinge seiner Umwelt entwickelt sich das Verständnis für die Sprache. Gegenstände und Handlungen werden mit allen Sinnen “be-griffen”. Ihr Kind bekommt die Möglichkeit, Sprache zu verstehen und nachzuahmen, wenn Sie während ihres gemeinsamen Tagesablaufes Gegenstände, Situationen und Gefühle, mit denen Ihr Kind in Berührung kommt, benennen und beschreiben.

    Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer und zeigen Sie Interesse am Gespräch mit Ihrem Kind. Versuchen Sie, eine ruhige Gesprächsatmosphäre zu schaffen, lassen Sie Ihrem Kind Zeit zum Sprechen und unterbrechen Sie es nicht.

    Suchen Sie beim Sprechen Blickkontakt mit Ihrem Kind. So ist es sich Ihrer Aufmerksamkeit sicher und kann Ihre Mundbewegungen beim Sprechen absehen und nachahmen.

    Erleichtern Sie Ihrem Kind das Aufnehmen von Sprache, indem Sie langsam, deutlich und in einfachen Sätzen sprechen. Benutzen Sie dabei aber keine “Roboter- oder Babysprache”. Sie müssen auch nicht Hochdeutsch reden, der Dialekt gehorcht denselben Regeln wie die Hochsprache.

    Ermuntern Sie Ihr Kind zum Erzählen und Fragen, aber verlangen Sie nicht, dass es sein sprachliches Können unter Beweis stellt. Gemeinsames Erzählen macht mehr Spaß als Abfragen oder Nachsprechen.

    Geben Sie Ihrem Kind die Gelegenheit für sich selbst zu sprechen. Sprechen Sie nicht für Ihr Kind und nehmen Sie nichts vorweg. Es ist wichtig, dass Ihr Kind eine Notwendigkeit sieht zu sprechen.

    Vermeiden Sie zu hohen Fernsehkonsum. Eine Unmenge an Reizen prasselt heutzutage viel zu schnell auf Ihr Kind ein, ohne dass eine wirkliche Kommunikation stattfindet. Die “Welt aus der Konserve” kann eigene Erfahrungen mit der Umwelt nie ersetzen.

    Eine verlässliche Umwelt, ein geregelter Tagesablauf und feste Bezugspersonen bieten Ihrem Kind einen sicheren Rahmen zum Erlernen der Sprache. Ihre Zuwendung ist wichtiger als zahlreiches und teures Spielzeug.

    Der Kindergartenbesuch ist unbedingt zu empfehlen. Er unterstützt den Kontakt zu Gleichaltrigen und die Erziehung zur Selbständigkeit und bietet vielfältige sprachliche Anregungen.