Erwachsene

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  • Schluckstörung - Dysphagie

    Unter Schluckstörungen versteht man Beeinträchtigungen oder Behinderungen der Nahrungsaufnahme und / oder des Schluckens selbst.

    Man unterteilt den Schluckvorgang in drei Phasen, je nachdem, wo sich Speichel oder Nahrung während des Schluckvorgangs gerade befinden – im Mundraum, im Rachenraum oder in der Speiseröhre. Jede dieser Schluckphasen kann im Rahmen einer Schluckstörung isoliert oder in Kombination und in unterschiedlichem Schweregrad betroffen sein.

    In der oralen Phase im Mundraum zeigen sich bei Störungen der Nahrungsaufnahme und des Schluckens teilweise übersteigerte orale Reflexe (z.B. Beißreflex, Würgrefex), eine veränderte Sensibilität im Mundraum (wodurch unter Umständen unbemerkt Speisereste im Mundraum verbleiben), ungewollter Austritt von Speichel und / oder Nahrung durch Mund und / oder Nase, eine eingeschränkte Beweglichkeit und Kraft von Lippen, Zunge und Kiefer und Probleme beim Abtransport der Nahrung mit der Zunge.

    In der pharyngealen Phase im Rachenraum äußert sich eine Schluckstörung in einer eingeschränkten Funktion der Schlundmuskulatur und der Kehlkopfbewegung, wodurch es zum einen aufgrund fehlender oder zu spät ausgelöster Schutzreflexe zu Speichel- und / oder Nahrungseintritt in die unteren Luftwege kommen kann. Der Betroffene verschluckt sich häufig, muss husten, niesen oder sich schlimmstenfalls sogar erbrechen. Oft erfolgt dieses Verschlucken aber auch still und unbemerkt, hat aber meist einen feuchten gurgelnden Stimmklang zur Folge. Möglicherweise bleiben auch Nahrungsreste im Rachen hängen oder es bestehen Probleme bei der Öffnung der Speiseröhre.

    In der ösophagealen Phase in der Speiseröhre schließlich kann der Nahrungstransport durch eine Verengung oder Bewegungsstörung der Speiseröhre behindert sein.

    Verschiedene Nahrungskonsistenzen (flüssig, fest, breiig) stellen unterschiedliche Anforderungen an den Schluckvorgang und können daher mehr oder weniger Probleme bereiten. Häufig hat auch eine schlechte Körperhaltung beim Essen mit extrem nach hinten gebeugten oder nach vorne gestrecktem Kopf eine negative Auswirkung auf den Schluckakt.

    Nicht behandelte Schluckstörungen können lebensbedrohliche Folgen haben! Sie können zu Mangelernährung und / oder Flüssigkeitsmangel (Dehydration) sowie zu Erkrankungen der Mundschleimhaut führen. Außerdem besteht beim Verschlucken von Nahrung Erstickungsgefahr! Zudem gelangen beim stillen Verschlucken unbemerkt Flüssigkeit und Nahrungspartikel in die Luftröhre und die Lunge, was zu wiederkehrendem Fieber, Bronchitiden und schlimmstenfalls zu Lungenentzündungen führen kann!

    Schluckstörungen entstehen einerseits durch strukturelle Veränderungen im Mund- und / oder Halsbereich, wie sie z.B. bei Tumoren oder Operationen im Halsbereich oder Intubationsschäden auftreten können. Ein größerer Teil der Schluckstörungen tritt jedoch im Rahmen neurologischer Störungen und Erkrankungen auf, wie z.B. nach einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung, bei entzündlichen Hirnprozessen (z.B. Meningitis, Enzephalitis) oder bei degenerativen Erkrankungen (z.B. Amyotrophe Lateralsklerose, Myasthenia Gravis, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Demenz) sowie außerdem bei Schädel-Hirn-Traumata, Tumoren oder Operationen im Kopfbereich, Erkrankungen und / oder Verletzungen des Rückenmarks oder Zerebralparesen.

    Im Rahmen einer logopädischen Therapie wird mit Angehörigen und / oder Pflegepersonal eine ausführliche Kostberatung durchgeführt, um die individuell bestmögliche Ernährung des Patienten zu gewährleisten. Mithilfe mundmotorischer Übungen zur Sensibilisierung und Kräftigung bestimmter Muskelgruppen werden die zum Schlucken notwendigen Muskelfunktionen wieder aufgebaut. Durch Erlernen bestimmter Schlucktechniken wird allmählich wieder eine normale Schluckfunktion aufgebaut und der Patient an die Ernährung mit normaler Kost herangeführt. In einigen Fällen ist die Wiederherstellung einer normalen Schluckfunktion nicht mehr möglich, so dass bestimmte kompensatorische Schlucktechniken bzw. gewisse Kosteinschränkungen bestehen bleiben. Schlimmstenfalls ist die Versorgung mit einer Magensonde unabdingbar, um eine ausreichende Ernährung sicher zu stellen.