Erwachsene

  • Gesichtslähmung
  • Hörstörungen
  • Legasthenie
  • Redeflussstörungen
  • Schluckstörung
  • Sprachstörungen
  • Sprechstörungen
  • Stimmstörungen
  • Sprachstörungen - Aphasie

    Unter Sprachstörungen im Erwachsenenalter versteht man zentrale Störungen des Sprachsystems, die erst nach Abschluss des Spracherwerbs auftreten. Es können ebenso wie im Kindesalter alle Komponenten des Sprachsystems – Lautsystem, Wortschatz, Grammatik und Pragmatik – isoliert oder in Kombination in unterschiedlichem Schweregrad betroffen sein. In jedem Bereich sind Störungen des Sprachverständnis und / oder der Sprachproduktion möglich. Bei Erwachsenen können sich solche Sprachstörungen insbesondere auch auf die Schriftsprache, also das Lesen und Schreiben, erstrecken. Typischerweise treten bei betroffenen Personen zugleich verschiedene individuelle sprachliche Symptome auf. Kein Betroffener weist die gleichen oder alle unten aufgeführten Symptome auf!

    Störungen der gesprochenen Sprache, z. B.:
    Die Lautstruktur eines Wortes kann durch Auslassungen, Ersetzungen oder Umstellungen ein oder mehrere Laute nur leicht oder bis zur Unkenntlichkeit hin verändert sein.

    Der Wortschatz kann reduziert sein; d.h. bestimmte Wörter können nicht mehr genannt werden und werden durch andere Wörter oder Umschreibungen ersetzt oder ganz ausgelassen. Die Bedeutung von Wörtern wird nicht mehr erkannt. Auch die Fähigkeit zur Kategorisierung, also Einteilung von Wörtern z.B. in Ober- und Unterbegriffe, kann verloren gehen.

    Hinsichtlich Satzbau und Grammatik kommt es zu Verkürzungen von Sätzen durch Auslassen obligatorischer Wörter oder Satzteile bis hin zu einem “Telegrammstil”, bei dem nur mehr wenige Inhaltswörter aneinandergereiht werden. Es können auch Wortstellungsfehler im Satz auftreten oder Fehler in der Beugung von Haupt- und Tunwörtern. Manchmal werden Satzteile verdoppelt, Sätze abgebrochen oder ineinander verschränkt.

    Das Verstehen von Sprache kann ganz unterschiedlich beeinträchtigt sein und sich sowohl auf die Lautstruktur als auch auf den inhaltlichen Gehalt beziehen. In schweren Fällen ist bereits das Verstehen einzelner Wörter eingeschränkt, in anderen Fällen treten bei Sätzen oder längeren zusammenhängenden Äußerungen oder Texten Verständnisprobleme auf.

    Im schwersten Fall können bei “Sprechversuchen” nur immer wiederkehrende Silben, Wörter oder Floskeln geäußert werden, ohne das dies vom Betroffenen kontrolliert werden kann und obwohl er etwas anderes sagen möchte. Möglicherweise treten auch so genannte Echolalien auf, bei denen vom Gesprächspartner vorher Gesagtes wiederholt wird.

    Häufig kommt es zu einer Sprach- oder Sprechanstrengung, die Sprachproduktion kann vermindert und unflüssig sein oder aber übersteigert, sozusagen “ohne Punkt und Komma”.

    Die Betroffenen leiden unterschiedlich stark unter ihrer Sprachstörung. Manche können sich bei gutem Sprachverständnis aufgrund starker sprachlicher Einschränkungen kaum noch mitteilen, sind deshalb teilweise äußerst frustriert, traurig und reagieren mit Rückzug oder Aggression. Manchmal nehmen die Betroffenen selbst aber auch gar nicht wahr, dass sie etwas Anderes, “Falsches” sagen als sie meinen, weshalb es in der Kommunikation häufig zu scheinbar unerklärlichen Missverständnissen und Meinungsverschiedenheiten kommt. Beides kann die Beziehung zu den Angehörigen und den alltäglichen Umgang miteinander stark belasten und verändern.

    Störungen der Schriftsprache, z. B.:
    Beim Lesen können einzelne Buchstaben nicht mehr sicher in die entsprechenden Laute “übersetzt” werden. Lautlich ähnliche Wörter (z.B. Panne – Tanne) und / oder vom Bedeutungsgehalt ähnliche Wörter (z.B. König – Fürst) werden verwechselt. Dadurch erschließt sich dem Betroffenen der Sinn des Gelesenen nur mehr bruchstückhaft, fehlerhaft oder gar nicht mehr.

    Beim Schreiben treten ganz ähnliche Schwierigkeiten auf. Einzelne Laute können nicht mehr in die entsprechenden Schriftzeichen umgesetzt werden, wodurch es zu Lautauslassungen oder -ersetzungen kommt. Es werden lautlich und / oder bedeutungsmäßig ähnliche Wörter statt eines gewünschten Wortes geschrieben. Manchmal ist die Technik des Schreibens gut erhalten, ohne das der Betroffene aber den Sinn des Geschriebenen erfassen kann.

    Als so genannte neuropsychologische Begleiterscheinungen können auch nicht-sprachliche Symptome die Kommunikation zusätzlich beeinträchtigen. Dazu gehören u.a. Halbseitenlähmungen, Sehstörungen, Sprechstörungen (‘ Sprechapraxie, Dysarthrophonie), Schluckstörungen, (‘ Dysphagie), Wahrnehmungsstörungen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnis- und Antriebsstörungen und / oder Störungen in der Zahlenverarbeitung.

    Sprachstörungen bei Erwachsenen können auftreten nach Schlaganfällen (Hirninfarkt oder Hirnblutung), entzündlichen Hirnprozessen (z.B. Enzephalitis, Meningitis), Hirnoperationen und Schädel-Hirn-Traumata sowie bei Hirntumoren und degenerativen neurologischen Erkrankungen (z.B. Morbus Alzheimer).

    In Abhängigkeit von der individuellen Symptomatik, der Dauer der Sprachstörung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten stehen uns zur Behandlung der Sprachstörung die unterschiedlichsten Therapieansätze und -methoden zur Verfügung, von denen wir die oder den für den Patienten am besten geeigneten auswählen und individuell anpassen:

    stimulierend/deblockiernd
    Reaktivierung sprachlicher Fähigkeiten über eine Stimulierung des gesamten Sprachsystems (z.B. Deblockierungsmethode nach Weigl, Melodische Intonationstherapie nach Sparks et al.)

    symptomorientiert/sprachsystematisch
    Anregung spezifisch sprachlicher Lernprozesse mithilfe nach sprachwissenschaftlichen Kriterien strukturierten Sprach- und Übungsmaterials (z.B. Neurolinguistische Aphasietherapie NAT nach Neubert et al.)

    prozess-/strategie-/modellorientiert
    Optimierung erhaltener Sprachprozesse und Modifikation bzw. Kompensation gestörter sprachlicher Verarbeitungsrouten (z.B. Reduzierte Syntaxtherapie REST nach Schlenck et al.)

    kommunikativ/pragmatisch
    Verbesserung der Kommunikation durch Einsatz aller verfügbaren Ausdrucksmittel (z.B. Promoting Aphasics’ Communicative Effectiveness PACE nach Davis & Wilcox)