Erwachsene

  • Gesichtslähmung
  • Hörstörungen
  • Legasthenie
  • Redeflussstörungen
  • Schluckstörung
  • Sprachstörungen
  • Sprechstörungen
  • Stimmstörungen
  • Redeflussstörungen bei Erwachsenen

    Diese besondere Form der Sprechstörung ist gekennzeichnet durch eine Störung des Sprechablaufs bzw. der Sprechflüssigkeit und kann in Form von Stottern oder Poltern in Erscheinung treten.

    Stottern – Balbuties
    Stottern äußert sich in überdurchschnittlich häufigen, unfreiwilligen und unkontrollierbaren Wiederholungen von meist einsilbigen Wörtern, Silben oder Lauten, in Dehnungen von Lauten und / oder in Blockierungen von Wörtern. Art und Ausmaß des Stotterns sind zum Teil situationsabhängig und können großen Schwankungen unterliegen. Als Begleiterscheinungen können das Einschieben von Füllwörtern, Satzabbrüche und -umstellungen, Sprechangst, Vermeiden von Blickkontakt und / oder bestimmten angstbesetzte Lauten, Wörtern, Personen oder Situationen und Körpermitbewegungen auftreten. Diese Begleiterscheinungen resultieren aus dem Versuch, die eigentlichen Stottersymptome zu überwinden. Stotternde leiden häufig unter einem großen Störungsbewusstsein.

    Chronifiziertes Stottern im Erwachsenenalter beruht überwiegend auf einem im Vorschulalter entstandenen Stottern und begleitet einen Betroffenen leider sein Leben lang. Es kann in schwierigen Lebensphasen oder unter beruflichen und / oder privaten Belastungen phasenweise und mit großen Schwankungen in der Ausprägung der Symptome wieder auftreten. Eine logopädische Behandlung kann Betroffenen auch im Erwachsenenalter eine Hilfe sein, in solchen Phasen verstärkten Stotterns besser mit den auftretenden Symptomen und Schwierigkeiten zurechtzukommen. Möglicherweise profitieren Betroffene, die bereits im Kindes- oder Jugendalter eine logopädische Behandlung erhalten haben, im Rahmen einer erneuten Therapie von den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuen bzw. verbesserten Techniken zur Behandlung des Stotterns.

    Ein so genanntes “neurogenes Stottern” kann im Erwachsenenalter auch nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einem Schlaganfall, bei einem Hirntumor, einer degenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems oder als eine medikamentöse Nebenwirkung (z.B. von Neuroleptika) in Erscheinung treten. In seltenen Fällen kann es infolge einer plötzlichen inneren Traumatisierung auch zu einem “psychogenen Stottern” kommen.

    Zur Behandlung des Stotterns orientieren wir uns überwiegend an der traditionellen Stottertherapie nach Charles van Riper (“Nicht-Vermeidungs-Ansatz”), wobei die darin enthaltenen Behandlungsmethoden und -techniken durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen modifiziert und ergänzt werden. Des Weiteren fließen Elemente aus dem aktuellen Therapiekonzept von Holger Prüss in die Behandlung mit ein. Jede Behandlung beinhaltet verschiedene Therapiebereiche. Unter gezielter Anleitung des Therapeuten erfolgt eine schrittweise direkte Auseinandersetzung mit dem Stottern. Der Betroffene lernt, seine individuellen Symptome beim Stottern zu erkennen (Identifikation), seine Angst davor abzubauen und seine Sprechweise anzunehmen (Desensibilisierung) und mithilfe einer Sprechtechnik gezielt und bewusst zu flüssigerem Sprechen hin zu verändern (Modifikation) und diese veränderte Sprechweise mehr und mehr in den Alltag zu integrieren. Besonderes Augenmerk legen wir hierbei auf die “Enttabuisierung” des Stotterns, da eine positive gelassene Einstellung des Betroffenen selbst und seiner Umgebung, also v.a. seiner Familie, gegenüber dem Stottern entscheidend zum Behandlungserfolg beiträgt.

    Poltern
    Die Symptome des Polterns entstehen weniger beim Sprechvorgang selbst als vielmehr in dessen gedanklicher Vorbereitung. Aufgrund einer mangelhaften Integration aller Sprachelemente kommt es hierbei zu einer sehr schnellen, überhasteten Sprechweise mit Beschleunigungen des Sprechtempos innerhalb längerer Wörter oder Redewendungen. Die Aussprache klingt aufgrund diverser wechselhafter Artikulationsfehler häufig sehr undeutlich und verwaschen. Teilweise werden ganze Wörter, unbetonte Silben, Wortendungen oder Lautverbindungen ausgelassen, umgestellt oder miteinander verschmolzen. Die Sprechflüssigkeit ist durch Wiederholungen von Wörtern und Phrasen sowie durch Satzabbrüche und -umstellungen und das Einschieben von Füllwörtern herabgesetzt. Den Äußerungen fehlt teilweise der logische Zusammenhang, so dass der Zuhörer den Erzählungen nur mit Mühe folgen kann. Sehr selten besteht ein Störungsbewusstsein oder gar ein Leidensdruck bei Menschen, die poltern. Meist leidet eher die Umwelt unter der mangelhaften Verständlichkeit der Äußerungen. Im Gegensatz zum Stottern verbessert sich das Poltern durch Konzentration auf das Sprechen.

    Die Ursachen des Polterns sind bislang noch nicht sicher geklärt. Man nimmt an, dass es auf Veranlagung beruht und minimale hirnorganische Störungen zugrunde liegen, durch die ein Missverhältnis zwischen der motorischen Sprechfertigkeit, dem Sprechtempo und Defiziten in der Wahrnehmung der eigenen Artikulation hervorgerufen werden.

    Abzugrenzen ist das medizinische Störungsbild des Polterns von “normalen” Redeunflüssigkeiten bei allgemein mangelhaften rhetorischen Fertigkeiten und sprachlichen Unsicherheiten z.B. im Rahmen von Vorträgen oder bei schnell sprechenden, aber ansonsten sprachgesunden Menschen. Rhetorik und Sprecherziehung sind nicht Gegenstand einer logopädischen Therapie. Eine logopädische Behandlung erhalten ausschließlich Patienten mit einer medizinisch begründeten, pathologischen Störung des Sprachsystems. Schulungen zur Rhetorik und Sprecherziehung erhalten Sie z.B. an Volkshochschulen oder in Seminaren anderer Anbieter.

    Im Rahmen einer logopädischen Behandlung orientieren wir uns an dem mehrdimensionalen, einzelfallorientierten Therapiekonzept zur Behandlung des Polterns nach Ulrike Sick. Dabei wird zunächst besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Selbstwahrnehmung im jeweils zu behandelnden Therapiebereich gelegt. Als mögliche Therapiebereiche kommen u.a. die Reduzierung des Sprechtempos, die Erarbeitung einer physiologischen Betonung und Sprechatmung, eine korrekte Artikulation sowie eine sprachliche Strukturierung in Frage. In allen Bereichen werden Strategien zur Sprechkontrolle erarbeitet und auf der Grundlage der verbesserten Selbstwahrnehmung in den Alltag übertragen.