Kinder und Jugendliche

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S
  • Autismus
  • Hörstörungen
  • Lese-Rechtschreibstörung / Legasthenie
  • Mutismus
  • Myofunktionelle Störung
  • Rechenstörung / Dyskalkulie
  • Redeflussstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs
  • Autismus

    Beim Autismus bzw. bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) handelt es sich um tiefgreifende Entwicklungsstörungen. Man unterscheidet zwei Formen: den frühkindlichen Autismus, der sich noch vor dem dritten Lebensjahr manifestiert, auch Kanner-Syndrom genannt, und die leichtere Variante, den Asperger-Autismus. Beide Formen äußern sich durch unterschiedlich stark ausgeprägte, sich im Verlauf der Entwicklung in Schweregrad und Ausprägung verändernden Störungen des sozial-emotionalen Verhaltens, der Symbol- und Spielentwicklung sowie der verbalen und nonverbalen Kommunikation. In vielen Fällen geht frühkindlicher Autismus mit anderen Problemen wie Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- oder Schlafstörungen einher.

    Die Sprachentwicklung setzt in der Regel deutlich verspätet ein. Im Säuglings- und Kleinkindalter treten deutlich weniger Lautäußerungen auf, der Wortschatz und Satzbau entwickelt sich verspätet und langsamer als bei normal entwickelten Kindern, aber nicht abweichend zur normalen Entwicklung. Im Bereich der Artikulation treten ähnliche Auffälligkeiten auf wie bei normal entwickelten Kindern. Kinder mit Asperger-Autismus sprechen nach anfangs verspäteter und verlangsamter Sprachentwicklung im Alter von fünf Jahren oberflächlich betrachtet gewöhnlich fließend und mühelos. Dennoch zeigen sie weiterhin einige ungewöhnliche Rede- und Sprachcharakteristika, z.B. eine förmliche pedantische Redeweise, eine ungewöhnliche Sprechmelodie, Fehlinterpretationen von übertragenen bzw. Mehrfachbedeutungen von Wörtern oder Redewendungen oder einen außergewöhnlichen individuellen Wortgebrauch. Herausragend ist eine mangelhafte Fähigkeit, Sprache im sozialen Kontext, also z.B. im Gespräch, gemäß allgemein anerkannten sozialen Regeln und Gesprächskonventionen anzuwenden.

    Die Ursache von Autismus ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es werden Einflussfaktoren vor, während oder nach der Geburt diskutiert, aber auch eine genetisch bedingte Hirnschädigung aufgrund einer Chromosomenanomalie.

    Eine umfassende Diagnose durch spezialisierte Psychologen, Psychiater oder Neurologen ist notwendig, um das Krankheitsbild zu identifizieren und von ähnlichen Störungen abzugrenzen. Die Diagnosestellung wird nach neuestem Stand durch Verhaltensbeobachtung und Fragebogenerhebung durchgeführt.

    Zur Behandlung des frühkindlichen Autismus existieren diverse ganzheitliche und strukturierte verhaltenstherapeutisch orientierte Therapieansätze. Alle strukturierten Therapieansätze haben ihre Wurzeln in dem Ansatz des “diskreten Lernformats” von LOVAAS. In kleinsten vorstrukturierten Lerneinheiten werden den autistischen Kindern dabei mittels klarer, wiederholter Anweisungen und unmittelbarer Konsequenzen auf erwünschtes bzw. nicht erwünschtes Verhalten Grundfähigkeiten der Imitation und Sprache vermittelt bzw. Verhaltensprobleme abgebaut. Wir orientieren uns bei der Behandlung von Kindern mit frühkindlichem Autismus einerseits am STEP-Programm (Strukturiertes Training und erfahrungsorientiertes Programm) von Bernard-Opitz, einer aktuellen Weiterentwicklung dieser frühen strukturierten Lernprogramme. Auf der anderen Seite fließen aktuelle logopädische Behandlungsmethoden wie z.B. die ganzheitliche Sprachtherapie nach Zollinger oder die patholinguistische Therapie nach Kauschke & Siegmüller ein. Mit deren Hilfe werden die Symbol- und Spielentwicklung als basale Grundvoraussetzungen für den Spracherwerb vorangebracht und mittels eines speziellen Sprachmodells des Therapeuten das Sprachverständnis, der Wortschatzerwerb und später auch der Satzbau verbessert.

    Zur Behandlung des Asperger-Autismus greifen wir auf die verschiedensten aktuellen logopädischen Behandlungsmethoden zurück, die auch bei einer herkömmlichen Sprachentwicklungsverzögerung zum Einsatz kommen. Je nach Art und Ausprägung der sprachlichen Schwierigkeiten kombinieren wir diese im Rahmen eines individuellen Behandlungsplans. Ein besonderer Therapieschwerpunkt liegt in der Regel auf der Ebene der Pragmatik, also dem Sprachverstehen und -gebrauch im sozialen Kontext. Dazu gehören unter anderem der Aufbau von Redekategorien (z.B. Frage-Antwort), eines passenden Gesprächsverhaltens (z.B. Beginnen und Aufrechterhalten eines Gesprächs) sowie einer angemessenen Informationsstrukturierung.