Kinder und Jugendliche

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S
  • Autismus
  • Hörstörungen
  • Lese-Rechtschreibstörung / Legasthenie
  • Mutismus
  • Myofunktionelle Störung
  • Rechenstörung / Dyskalkulie
  • Redeflussstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs

    Störungen der Stimme führen zu Veränderungen in der Klangqualität der Stimme wie auch zu verminderter stimmlicher Leistungsfähigkeit. Neben der gestörten Sprechstimme fällt meist auch eine verminderte Fähigkeit zum Singen auf. Manchmal sind Kinder aufgrund ihrer Stimmstörung schwer verständlich und in ihrer Mitteilungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Sie leiden häufig unter ihrer auffälligen Stimme und können sogar starke Sprechängste entwickeln.

    Stimmstörung – Dysphonie
    Der Stimmklang ist abhängig von der Muskelspannung. Ist die Muskelspannung im Kehlkopfbereich herabgesetzt, klingt die Stimme leise, behaucht und matt. Ist der Muskeltonus im Stimmlippenbereich jedoch erhöht, kann die Stimme heiser, rau, gepresst oder verhaucht bis ganz aphon (tonlos) sein. Die Sprechstimmlage kann zu tief oder zu hoch, schrill oder kreischend, das Sprechen monoton sein. Manch Kinder schreien viel und sind ständig lauter als andere Kinder; andere können gar nicht mehr laut rufen, sprechen eher zu leise oder flüstern sogar. Die Belastbarkeit der Stimme ist häufig stark eingeschränkt; es kommt schnell zu Ermüdungserscheinungen. Als Begleitsymptome können auch Missempfindungen wie Kratzen, Trockenheits- und / oder Fremdkörpergefühl im Rachenraum sowie vermehrtes Räuspern oder Husten auftreten. Außerdem finden sich häufig Fehlhaltungen, ein verändertes Sprechtempo und ein unphysiologisches Atemmuster. Beim Singen treffen die Kinder die Töne nicht oder können nicht (mehr) hoch oder tief singen.

    Die häufigste Form der Stimmstörungen bei Kindern beruht auf einem zu kräftigen Gebrauch der Stimmfunktion. Durch einen unökonomischen Stimmgebrauch und eine falsche Sprechtechnik werden die Stimmlippen beim Sprechen zu fest miteinander in Kontakt gebracht bzw. aufeinander gepresst, wodurch der gesamte Stimmapparat überbeansprucht wird (Hyperfunktionelle Dysphonie). Als Folge rötet sich die Schleimhaut im Kehlkopf und produziert mehr Schleim. Mit der Zeit bildet die obere Hautschicht der Schleimhaut durch die ständige Reizung mehr Zellen als gewöhnlich. Dadurch kommt es schließlich zu Hornablagerungen in Form von örtlich begrenzten kleinen Knötchen (Schreiknötchen bei 25 – 50 % aller betroffenen Kinder) oder zu einer Verdickung der gesamten Stimmlippen. Seltener finden sich auch Stimmlippenzysten oder -polypen. Diese organischen Veränderungen sind ein Schutzmechanismus gegen den zu starken Druck und führen dazu, dass die Stimmlippen nicht mehr optimal schwingen können. Dadurch entstehen die oben genannten hörbaren stimmlichen Auffälligkeiten. Jungen sind davon dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Daneben können auch akute oder chronische Kehlkopfentzündungen zur Entstehung von Stimmstörungen beitragen. Angeborene Stimmstörungen treten nur sehr selten auf und finden sich dann überwiegend im Rahmen von Syndromen (z.B. Down-Syndrom) oder bei angeborenen Besonderheiten des Kehlkopfbaus, Kehlkopfasymmetrien oder Hörstörungen im Sinne einer Innenohrschwerhörigkeit sowie Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen, die zur Entstehung einer Stimmstörung führen können. Auch aufgrund von Hormonstörungen oder traumatischen Einwirkungen auf den Kehlkopf z.B. bei Unfällen kann es manchmal zu Stimmstörungen kommen.

    Die Ursachen für den oben genannten falschen Stimmgebrauch sind vielschichtig und komplex; meist greifen mehrere Faktoren der motorischen, kommunikativen, sozialen und emotionalen Entwicklung des Kindes sowie Faktoren im näheren häuslichen und / oder schulischen Lebensumfeld des Kindes (z.B. Lärmpegel, Sprachvorbilder, Konflikte) und die Hör-Sprachentwicklung ineinander. Häufig bringt ein Kind durch eine Stimmstörung zum Ausdruck, was es nicht in Worte fassen könnte; dass es z.B. durch ein bestimmtes Problem oder eine bestimmte Situation dauerhaft belastet ist.

    Da die kindliche Stimme nicht von Geburt an ausgereift ist, sondern die Feineinstellungen der an der Stimmgebung beteiligten Muskulatur und Knorpel im Kehlkopf sich erst allmählich entwickeln, sind Schwankungen und Missklänge in der Stimmentwicklung bis zu einem gewissen Grad normal. Sollten stimmliche Auffälligkeiten, insbesondere Heiserkeit, jedoch über einen längeren Zeitraum, d.h. mehr als drei Wochen andauern, ihnen an der Stimme ihres Kindes etwas Ungewöhnliches auffallen, ihr Kind selbst ein Bewusstsein für seine veränderte Stimme entwickeln oder über Missempfindungen im Hals klagen, die nichts mit einem akuten Infekt zu tun haben können, sollten Sie sich nicht scheuen, zum Arzt zu gehen und sich professionell beraten und behandeln zu lassen.

    Im Rahmen einer logopädischen Behandlung werden je nach individuellem Störungsschwerpunkt spezielle altersgerechte Übungen zur Wahrnehmung der Stimme, zur Atmung sowie zur Verbesserung des Stimmklangs beim Sprechen und Singen durchgeführt. Je jünger das Kind ist, desto spielerischer werden die Übungen gestaltet. Darüber hinaus werden die sozial-kommunikativen Fähigkeiten des Kindes gestärkt und erweitert (z.B. Argumentieren statt Schreien) sowie stimmschonende Kommunikationsstrategien erarbeitet und mit Hilfe der Eltern in den Alltag integriert.

    Näseln – Rhinophonie
    Darunter versteht man Störungen des Stimmklangs durch eine zu geringe oder übermäßige Nutzung des nasalen Klangraumes. D.h. es entweicht beim Sprechen zu wenig (geschlossenes Näseln) oder zu viel Luft (offenes Näseln) durch die Nase, wodurch sich der Stimmklang verändert und die Aussprache teilweise sehr unverständlich werden kann.

    Ein offenes Näseln tritt häufig als organische Störung bei Gaumensegellähmungen oder bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen auf. Es kann aber ebenso funktionell bedingt sein, d.h. ohne nachweisbare strukturell-organische Veränderungen im Bereich des Gaumensegels. Es beruht dann möglicherweise auf einer nachlässigen oder bewusst gezierten Sprechweise oder wird aus einer Schonhaltung heraus nach abgeklungenen Lähmungen oder nach einer Rachen- oder Gaumenmandeloperation gewohnheitsmäßig beibehalten. Das geschlossene Näseln ist überwiegend organisch bedingt und beruht auf einem teilweisen oder kompletten Verschluss der Nase bzw. des Nasenrachenraums (z.B. bei Schnupfen, allergischen Reaktionen, Nasenscheidewandverkrümmung, Tumoren im Nasenrachenraum). Die Behandlung fällt hier primär nicht in den Bereich der Logopädie, sondern ist Aufgabe von HNO-Ärzten und Phoniatern. In seltenen Fällen ist das geschlossene Näseln funktionell bedingt und beruht auf einer Fehlfunktion des Gaumensegels ohne dass eine organische Veränderung nachweisbar ist. In diesen seltenen speziellen Fällen ist wiederum eine logopädische Behandlung angezeigt.

    Die logopädische Behandlung beinhaltet Übungen zur Verbesserung der Gaumensegelaktivität, der Mundmotorik sowie der gezielten und dosierten Luftstromlenkung sowie ggf. auch Übungen aus den bereichen Atmung, Stimme und Artikulation.