Kinder und Jugendliche

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S
  • Autismus
  • Hörstörungen
  • Lese-Rechtschreibstörung / Legasthenie
  • Mutismus
  • Myofunktionelle Störung
  • Rechenstörung / Dyskalkulie
  • Redeflussstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs
  • Myofunktionelle Störung

    Unter einer myofunktionellen Störung versteht man eine Störung der Gesichtsmuskelbalance, d.h. es liegt eine unausgeglichene (meist “schlaff” wirkende) Muskelspannung der Mund- und Gesichtsmuskulatur beim Sprechen und Schlucken, aber auch im Ruhezustand vor. Dadurch kommt es zu Fehlfunktionen und -haltungen aller beim Sprechen und Schlucken beteiligten Gesichts- und Mundmuskeln, was hauptsächlich zu einer wechsel- oder dauerhaft offenen Mundhaltung und Mundatmung, zu einem vorverlagertem “infantilen” Schluckmuster (Zungenvorstoß beim Schlucken) und / oder zu einer Vorverlagerung der Zunge an oder zwischen die vorderen oder seitlichen Zähne beim Sprechen und / oder Schlucken führt.

    Als weitere “dezentere” Symptome können daneben im Kleinkindalter v.a. ein vermehrter Speichelfluss, später vermehrtes Lippenlecken, eine verkürzte Oberlippe sowie eine nach außen gerollte gerötete Unterlippe beobachtet werden. Häufig gehen myofunktionelle Störungen mit einer allgemein schlechten Körperhaltung und -spannung sowie Koordinationsproblemen einher und sind oftmals mit Problemen der Konzentration und des Durchhaltevermögens kombiniert.

    Als Folgen einer myofunktionellen Störung treten häufig Zahnfehlstellungen und Artikulationsstörungen auf. Durch die falsche Zungenhaltung kann es beispielsweise zu hörbaren Fehlbildungen der Zischlaute (s, sch) kommen (z.B. Lispeln). Durch unphysiologische Bewegungsabläufe während des Schluckens, bei denen die Zunge gegen die Zähne drückt, kommt es typischerweise zu Zahnfehlstellungen (z.B. offener Biss). Auch kann der Zahnwechsel durch die “Einlagerung” der Zunge in die bestehende Lücke deutlich verzögert werden. Eine problematische Folgeerscheinung der anhaltenden offenen Mundhaltung und Mundatmung ist auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte des Nasen-Rachen-Raums (z.B. Schnupfen und Mittelohrentzündungen), da die natürliche Schutz- und Filterfunktion der Nase bei der Atmung nicht genutzt wird. Dadurch kann es zu einer Vergrößerung der Gaumen- und Rachenmandeln kommen, wodurch eine normale Nasenatmung zusätzlich erschwert wird, was wiederum die offene Mundhaltung und Mundatmung aufrechterhält. Ein wahrer Teufelskreis, der sich meist nur durch eine sinnvoll kombinierte Behandlung mit HNO-ärztlichen und kieferorthopädischen sowie logopädischen Maßnahmen durchbrechen lässt.

    Als Ursachen für die Entstehung myofunktioneller Störungen kommen einerseits insbesondere eine ungünstige Säuglingsernährung (keine oder kurze Stillzeit, Flaschensauger mit zu kleiner Lippenauflage oder vergrößertem Saugerloch, Trinken aus Schnabeltassen, zu langes Füttern mit Flüssig- oder Breinahrung), ungünstige Lutschgewohnheiten (Daumenlutschen, zu langes Schnullern oder Sprechen mit Schnuller) sowie eine dauerhaft behinderte Nasenatmung (z.B. aufgrund häufiger Infekte wie z.B. Schnupfen oder Mittelohrentzündung, Allergien oder vergrößerte Gaumen- bzw. Rachenmandeln) in Betracht. Auf der anderen Seite führen auch Zahn- und Kieferfehlstellungen zu myofunktionellen Störungen bzw. kann deren Behandlung mit ungünstigen kieferorthopädischen Geräten (z.B. Zungengitter, Spikes, Gaumenbögen, Vorschubdoppelplatten) eine myofunktionelle Störung aufrechterhalten und sogar verstärken. In manchen Fällen kann auch eine genetische Veranlagung oder eine Störung während der Schwangerschaft oder der Geburt (z.B. Sauerstoffmangel) eine Schädigung bewirken, die sich in der oben beschriebenen Form äußert. Bei Kindern mit Down-Syndrom oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen werden Sie immer mit Problemen im Mundbereich rechnen müssen.

    Myofunktionelle Störungen behandeln wir im Vorschulalter nach dem GRUMS-Konzept von Barbara Lleras oder mithilfe der Neurofunktionellen Reorganisation nach Beatrice Padovan, im Schulalter nach dem Therapiekonzept von Anita M. Kittel. Dabei führen wir jeweils störungsspezifische und altersgemäße Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Kraft der Lippen-, Zungen- und Kiefermuskulatur, zur Verbesserung der Luftstromlenkung, zur Aktivierung der Nasenatmung und des Mundschlusses sowie Übungen zur Verbesserung des Ansaugens und Schluckvorgangs selbst durch. Besonderes Augenmerk legen wir hierbei auf den Übertrag der neu erlernten Bewegungsmuster in den Alltag, um einen dauerhaften Therapieerfolg, nämlich einen dauerhaften Mundschluss und ein korrektes Schluckmuster beim Essen und Trinken zu gewährleisten.

    Weitere Informationen, Videos und Spiele zur myofunktionellen Störung und Therapie finden Sie unter http://www.myolino.de/.