Kinder und Jugendliche

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S
  • Autismus
  • Hörstörungen
  • Lese-Rechtschreibstörung / Legasthenie
  • Mutismus
  • Myofunktionelle Störung
  • Rechenstörung / Dyskalkulie
  • Redeflussstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Störungen der Stimme und des Stimmklangs
  • Sprachentwicklungsstörungen

    Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern zeigen sich in Form von zeitlichen und / oder strukturellen Abweichungen vom normalen Spracherwerb. Sie können alle Bereiche des Sprachsystems isoliert oder in Kombination betreffen, wobei sie in den jeweiligen Bereichen beim Verstehen und / oder beim Sprechen auftreten können. Die Störungen können in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

    Sprachstörungen ziehen sehr häufig unterschiedliche Störungen in anderen Entwicklungsbereichen nach sich, die sich nachteilig auf die Persönlichkeitsentwicklung und sogar auf die Schul- und Berufslaufbahn Ihres Kindes auswirken können. Dazu gehören u.a. Veränderungen im Verhalten (z.B. Rückzug, Aggression), motorische Unruhe und Konzentrationsstörungen oder Lernstörungen. Eine Lese-Rechtschreib-Störung tritt nicht nur als eigenständige Störung auf, sondern ist häufig Folge einer Sprachentwicklungsstörung.

    Ein Großteil kindlicher Sprachstörungen ist unklarer Ursache, d.h. es liegt kein organischer Befund vor. Sprachentwicklungsstörungen können im Rahmen von allgemeinen Entwicklungsverzögerungen oder -behinderungen, angeborenen Hörstörungen, genetisch bedingten Krankheiten (z.B. Down-Syndrom), Geistig-, Körper- oder Mehrfachbehinderung (z.B. Zerebralparese) oder nach Schädel-Hirn-Traumata, entzündlichen Hirnprozessen und Hirnoperationen auftreten.

    Ob Ihr Kind sich sprachlich altersgemäß entwickelt, können Sie in der Rubrik “Ratgeber” anhand der 14 Tipps zur Sprachförderung und dem Material und Spiele zur Sprachförderung.

    Zur Behandlung von Störungen der Sprachentwicklung greifen wir je nach Störungsschwerpunkt und Entwicklungsalter auf verschiedene aktuelle erprobte Therapiekonzepte zurück und wählen daraus je nach individuellem Störungsprofil geeignete störungsspezifische und altersgerechte Elemente, Übungen und Therapietechniken aus:

    Störung des Lautsystems und der Artikulation
    Es kommt zu einer fehlerhaften Lautbildung (Artikulationsstörung) und / oder die Laute des Deutschen und die Regeln zu ihrer Kombination werden fehlerhaft oder unvollständig erlernt (Phonologische Störung).

    Wortschatzdefizit und Wortfindungsstörung
    Die ersten Wörter äußert ein Kind normalerweise um den ersten Geburtstag herum. Der Wortschatz wächst im nächsten halben Jahr langsam auf ca. 50 Wörter an und steigt ab einem Alter von ca. 18 Monaten plötzlich sprunghaft an (Wortschatzspurt). Beginnt das Kind verspätet zu sprechen und bleibt der Wortschatzspurt aus oder stagniert der Wortschatzerwerb sogar, ist das Ausdruck einer so genannten semantisch-lexikalischen Störung. D.h. der produktive Wortschatz und meist auch das Wortverständnis für bestimmte oder alle Wortarten sind eingeschränkt. Häufig werden auch falsche Artikel benutzt. Die Kategorisierung, also die Einteilung von Wörtern (z.B. in Ober- und Unterbegriffe sowie in bestimmte Wortfelder) ist gestört. Außerdem können Probleme bei der Wortspeicherung auftreten, d.h. das Kind kann sich neue Wörter und deren Bedeutung generell schlecht merken. Oder der Wortabruf gelingt nur eingeschränkt, d.h. dem Kind fallen selbst bekannte alltägliche Wörter nicht ein, wenn es sie beim Erzählen braucht.

    Wortschatzdefizite bleiben im Alltag häufig unbemerkt, da sich die Kinder die Bedeutung der Worte aus dem situativen Zusammenhang erschließen oder sich ausschließlich in einem bestimmten Wortschatzfeld ihres Interesses bewegen (z.B. Fußball). Sie haben aber weit reichende Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, insbesondere auf die Grammatikentwicklung, weshalb sie stets Gegenstand der logopädischen Diagnostik und ggf. auch Therapie sind.

    Störung der Grammatik – Dysgrammatismus
    Die früheste Form einer Grammatikstörung ist das Ausbleiben oder verspätete Benutzen von Zwei- und Mehrwortäußerungen, die im normalen Spracherwerb parallel zum Wortschatzspurt erstmalig mit ca. 18 Monaten auftauchen. Häufig bleibt der Satzbau im weiteren Erwerb fehlerhaft, d.h. es werden ganze Satzelemente oder so genannte grammatische Funktionswörter wie Artikel und Präpositionen ausgelassen oder umgestellt. Die markanteste Form ist die falsche Stellung des Verbs am Ende eines Aussagesatzes (z.B. Morgen Mama einkaufen gehen.). Im späteren Verlauf benutzen Kinder mit Grammatikstörungen als Ersatzstrategie häufig nur starre unflexible kurze Satzmuster und vermeiden bzw. weisen Fehler in der Konstruktion komplexer Satzgefüge, z.B. bei Haupt- und Nebensätzen auf. Aber auch Störungen in der Bildung der Mehrzahl, der Vergangenheit, der Verneinung und der grammatischen Fälle (Kasus) zählen zum Dysgrammatismus. Ebenso kann eine fehlerhafte Deklination (z.B. der schöner Schuh) oder Konjugation (z.B. er kommte) auftreten. Im späten Vorschul- und Schulalter kann sich eine Grammatikstörung auch auf Textebene manifestieren. D.h. die Kinder haben nur eine rudimentäre Erzählstruktur und / oder können satzverknüpfende Elemente nicht oder nur fehlerhaft anwenden, wodurch der Zuhörer dem Inhalt kaum bis gar nicht mehr folgen kann. Mündliches und / oder schriftliches Beantworten von Fragen bzw. das Schreiben von Aufsätzen fällt diesen Kindern besonders schwer.

    Störung der Pragmatik
    Die sogenannten pragmatischen Fähigkeiten bilden zum einen die Basis, zum anderen die “Krone” jeglicher Kommunikation. Das Herstellen und Halten von Blickkontakt, die sprachliche Nachahmung, abwechselndes Handeln im Spiel und abwechselndes Sprechen im Dialog sind beispielsweise grundlegende Voraussetzungen für den Spracherwerb. Sind diese Fähigkeiten eingeschränkt, ist insbesondere der Erwerb der ersten Wörter deutlich erschwert, da das Kind beispielsweise den Zusammenhang zwischen einem Gegenstand und dem dazugehörigen Wort nicht klar erkennen und speichern kann. Die Beherrschung von Redekategorien (z.B. Frage-Antwort), das Wissen um ein passendes Gesprächsverhalten (z.B. Beginnen und Aufrechterhalten eines Gesprächs) sowie eine angemessene Informationsstrukturierung andererseits sind unabdingbar für den Erwerb ausgereifter Kommunikations- und Diskussionsfähigkeiten. Beherrscht ein Kind solche Fähigkeiten nicht ausreichend, kommt es häufig zu Missverständnissen im Gespräch, da Informationen nicht korrekt vermittelt werden können oder beim Gesprächspartner ein nicht vorhandenes Vorwissen vorausgesetzt wird. Die Kinder scheinen zusammenhanglos zu erzählen und die Kommentare und Fragen des Gesprächspartners nicht zu beachten.